Knapp zwei Jahrzehnte war der 1-Click-Kauf fest mit Amazon verknüpft. Jetzt ist das Patent ausgelaufen. Doch nicht jeder Online-Shop wird darüber jubeln.

Vor fast 20 Jahren beantragte Amazon-Chef Jeff Bezos gemeinsam mit drei Kollegen das Patent mit der Nummer 5.960.411, besser bekannt unter „1-Click-Ordering“. Am 11. September 2017 ist der Schutzanspruch dafür nun ausgelaufen. Das bedeutet: Händler, die Online-Shopper mit nur einem Klick den gesamten Kaufprozess durchlaufen lassen wollen, können dies künftig ungehindert tun. Bislang mussten dafür Lizenzgebühren an Amazon bezahlt werden – zumindest in den USA. In Europa hingegen lehnte die Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes (EPA) bereits 2011 den Patentantrag von Amazon für das „1-Click-Verfahren“ ab, weil die nötige Erfindungshöhe fehle.

Dass der Button “1-Klick-Kauf” in deutschen Webshops bislang kaum zu finden ist, hat also eher weniger mit Lizenzgebühren von Amazon zu tun als damit, dass sich das Zahlverfahren nicht für jeden Shop eignet. Da Kunden über ein Nutzerkonto mit hinterlegten Zahlverfahren verfügen müssen, um von der Produktdetailseite aus mit einem Klick den Bestellprozess abzuschließen, ist der Service zunächst nur für Shops mit hohem Stammkundenanteil interessant. Auch wer Produkte mit vielen Varianten verkauft, tut sich mit dem 1-Klick-Kauf schwer.

In mobilen Nutzungsszenarien hingegen ist der Button ein spannendes Instrument, da er den Kaufabschluss extrem vereinfacht. Auch für zeitlich oder quantitative Produktangebote könnte der Button ein spannendes Instrument sein. Denn damit erhält nicht der Kunde den begehrten Highend-Sneaker, der am schnellsten seine Kundenadresse eingeben kann, sondern wirklich der, der sich am schnellsten zum Kauf entschließt.

 

Allerdings: Bevor Shopbetreiber mit einem solchen Service-Versprechen an den Kunden herantreten, müssen sie ein paar Hausaufgaben erledigt: Wichtig ist es unter anderem, Artikelbestände gesichert abbilden zu können. Außerdem müssen Prozesse innerhalb des Unternehmens reibungslos funktionieren. 

Wer also mit dem Gedanken spielt die Funktion zu integrieren, sollte sich vorab Gedanken um die Nutzung und den Mehrwert für seine Kunden machen. Dann ist der 1-Klick-Kauf sicher eine interessante Option.