Offline hui – online pfui: Während stationäre Supermärkte Millionen investieren, um Kunden aufs Feinste zu umgarnen und sich von der Konkurrenz abzuheben, wirken Online-Supermärkte allesamt noch eher wie Discounter. Die Anbieter setzen darauf, dass Kunden schnell ihre Einkaufslisten abarbeiten können. Das Online-Einkaufserlebnis allerdings spielt nirgendwo eine Rolle.

Für viele ist der wöchentliche Lebensmitteleinkauf nicht mehr bloßes Abhaken der Einkaufsliste. Nein, er ist Treffpunkt, Inspiration und Erlebnis. Obst und Gemüse sind mit frischem Wassernebel in Szene gesetzt. Das Interior wirkt edel und erinnert an einen gemütlichen Besuch beim Wochenmarkt. Themenwelten machen Lust auf Neues. Der Metzger rät zum passenden Stück Fleisch und gibt Zubereitungstipps, auch Bank und Wasserspender stehen für erschöpfte Einkäufer an der passenden Stelle bereit. Der Supermarkt von heute ist bis ins Detail durchdacht und lädt zum Verweilen ein. Die Kunden- und Wegeführung ist genauestens berechnet, die Produkte sind an der richtigen Stelle platziert. Fast vergisst man darüber, wie viele Stunden, Mühen und auch Investitionen dieses Ergebnis gekostet hat.

Stationär sind die Lebensmittler aufgewacht und geben Gas um in der umkämpften Branche ja keine Marktanteile zu verlieren. Selbst klassische Discounter wie Lidl werden heute zu Lifestyle-Unternehmen und bieten echte Einkaufserlebnisse. E-Commerce hingegen scheint für die Branche zwar ein Thema zu sein, aber noch nicht Ernst genommen zu werden. Schaut man sich bei Rewe online oder Edeka24 um wird schnell klar: Hier hat niemand verstanden, was Kunden heute von einem Onlineshop erwarten.

Stumpfe Produktlisten statt echtes Einkaufserlebnis

Dabei schlägt sich Rewe noch am besten. Bedarfskäufer erhalten einen schnellen Sortimentsüberblick der Filiale vor Ort, der Bestellprozess ist durchdacht. Sind gesuchte Produkte nicht verfügbar, werden Alternativen angezeigt. Und das enge Zeitfenster zur Lieferung zählt zu den Killer-Featuren schlechthin. Aber selbst hier ist der Shop rein funktionsgetrieben. Inspiration, intelligente Kundenführung, Verkaufsförderung, Lock-Angebote – Fehlanzeige. Stumpfe Produktlisten sind alles, was die Shops von heute zu bieten haben. Wäre dies eine stationäre Filiale, wären dutzende Regallager nebeneinander zu sehen – und mehr nicht.

Im Gesamtüberblick lässt sich feststellen, dass gerade die Discounter, wie Aldi UK, Penny oder Netto die klassischen Supermärkte online überholt haben. Rewe und Edeka24 hingegen haben keinerlei Premium-Image in die Online-Welt übertragen. Warum stationär Millionen ausgegeben werden und online jegliche Investition geblockt wird, bleibt schleierhaft.

Fazit

Aber eins ist klar: Der Kunde ändert sein Kaufverhalten massiv – und das nicht im Schneckentempo. Wenn sich der Lebensmittelhandel nicht fit für die Zukunft macht und auf die sich ändernden Kundenanforderungen reagiert, schnappt sich Amazon auch hier dicke Marktanteile. Denn schon heute kaufen mehr als acht von zehn Deutschen, die im Internet shoppen, bei Amazon. Die Nutzerkonten und auch das Vertrauen gegenüber den Amerikanern sind bereits vorhanden. Sobald Amazon auch hierzulande Lebensmittel online verkauft und dazu noch mit Amazon Fresh die Branche revolutioniert, wandern die Kunden problemlos auf die andere Seite. Ob die Branche hierzulande rechtzeitig aus dem Märchenschlaf erwacht, bleibt abzuwarten. Bis dahin heißt es: Offline hui – online pfui.