Szene aus Kaan's Kaasladen
(Quelle: Kaan's Kaasladen)

Verkaufen mit Bewegtbild – an dieser Aufgabe haben sich schon viele große Händler die Zähne ausgebissen. Die meisten Anläufe sind gescheitert. Ein kleiner Käseladen aus Holland hat jetzt einen ganz neuen Ansatz gefunden – wenn auch nur für begrenzte Zeit.

Die Smartphone-Generation will beim Shoppen immer stärker unterhalten werden – und Händler suchen krampfhaft nach innovativen Formaten. Denn während unsere Großmütter sich noch von Teleshopping-Sendern wie QVC oder HSE24 zum Kauf von Dampfbesen oder Bauchweg-Höschen verführen ließen, klicken sich jüngere Zielgruppen eher zu Facebook Live oder YouTube, um sich von Influencern die aktuellsten Must-Haves präsentieren zu lassen.

Junge App-Startups wie Busker, Mikmak, Live.me oder Yeay haben den Trend längst erkannt und versuchen, die emotionale Power von Bewegtbild für neuartige digitale Handelskonzepte zu nutzen. Auf der anderen Seite experimentieren Fashion-Stores wie MyTheresa oder SimpleBe mit sogenannten Shoppable Videos, um über soziale Medien zu verkaufen.

Kanalverknüpfung mal anders

Doch es geht auch einfacher, wie der niederländische Käseladen Kaan’s Kaasladen zeigt. In einem auf fünf Tage beschränkten Pilotprojekt in Kooperation mit der Bank ABN AMRO ließen sich die Mitarbeiter des holländischen Ladengeschäfts beim Abwickeln der Online-Bestellungen während ihrer Laden-Öffnungszeiten in Echtzeit auf die Finger gucken. Zudem konnten die Kunden per Webcam mit dem Team vor Ort kommunizieren.

Das reale Käseregal aus dem Laden wurde beim Abfilmen um interaktive Elemente erweitert, so dass Kunden die gezeigten Käsesorten auswählen, Informationen abrufen und anschließend bestellen konnten. Mit der Bestellbestätigung wurde zudem eine Bestellnummer angezeigt. Erschien dieselbe Nummer auch am oberen Bildrand des Screens, wusste der Kunde, dass nun seine Käse-Order in der Mache war.

Lange Schlangen an der virtuellen Theke

Ein kleiner Wehmutstropfen blieb dann aber doch: Denn offenbar wurde der Kaasladen von Bestellungen förmlich überrannt. In unserem Test erhielten wir die Bestellnummer 1.122, während auf dem Bildschirm erst Bestellung Nummer 350 bearbeitet wurde. Da hätte der Kunde länger warten müssen, als zu den schlimmsten Stoßzeiten an der realen Käsetheke – zumal auch immer noch reale Kunden in den Laden kamen und sich gegenüber den digitalen Kunden quasi vordrängelten.

Nichtsdestotrotz ist das Projekt ein kreativer Weiterdreh von Kanalverknüpfung. Kunden bekommen einen sehr authentischen Eindruck von einem Laden, der in der digitalen Welt sonst immer eher unnahbar wirkt. Das Feeling im Store wird deutlich und unverfälscht in die digitalen Kanäle transformiert. Das zumindest denkt der Kunde, denn vor welcher Kulisse ein derartiger Live-Stream wirklich gedreht wird, hat der Händler ja selbst in der Hand.

Zudem ist ein derartiges Projekt auch eine charmante und innovative PR-Aktion, die auf so ziemlich allen Online-Kanälen wie Social Media, Blog oder auch im Shop gespielt werden kann. Das international große Medienecho für ein bis dato total unbekanntes lokales Ladengeschäft mit einem eher unsexy Sortiment ist der Beweis.